Jakobs Kreuzkraut - Gelbes Gift am Strassenrand

Wie schön, wenn im Sommer alles blüht – doch Vorsicht, es ist wie mit Schneewittchens Apfel, in der Schönheit verbirgt sich auch so manches Gift. In Baden-Württemberg zwischenzeitlich sehr weit verbreitet ist das Jakobs-Kreuzkraut, auch bekannt als Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea Linn.) Es ist in Wuchsform und Blüte vor allem vom heilsamen und medizinisch verwendeten Johanniskraut nur schwer zu unterscheiden – und beide blühen in enger Gesellschaft an fast allen Straßen- und Wegrändern.

Jakobs-Kreuzkraut ist in allen Pflanzenteilen giftig, denn es enthält Alkaloide vom Pyrrolizidin-Typ, welche bei Aufnahme großer Mengen zu akutem Leberversagen führen. Bei wiederholter Aufnahme kleiner Mengen sammeln sich die Pyrrolizidinalkaloide im Körper an. Vor allem betroffen ist wieder die Leber, aber auch Lunge, Herz und Nieren können Schaden nehmen. Der Körper ist nur bedingt fähig, Pyrrolizidinalkaloide in ungiftige Stoffe umzuwandeln. Im Laufe der Zeit führen die Giftstoffe dann zur Entartung von Zellen, was zu Tumoren führt, oder speziell in der Leber, sterben Zellen ab und es entstehen Gewebenekrosen.

Besonders betroffen von der Giftigkeit des Jakobs-Kreuzkrautes sind Weidetiere. Haben sie genug andere Nahrung zur Auswahl, lassen sie das frische Jakobs-Kreuzkraut meist stehen, denn die enthaltenen Alkaloide schmecken sehr bitter. Wird die Nahrung auf der Weide knapp, nehmen manche Tiere es trotzdem auf. Jedes Jahr sterben Weidetiere an akuten Vergiftungen mit Jakobs-Kreuzkraut, besonders Schafe und Pferde reagieren sehr sensibel auf das Gift. Kühe sind gegen die Giftigkeit toleranter, jedoch gehen die Alkaloide in die Milch über und lassen sich dort nachweisen. Ein sehr großes Problem sind Heu und Silage, denn während der Trocknung/Gärung verlieren die Pyrrolizidinalkaloide ihren bitteren Geschmack und werden dann (im Winter) von den Tieren nicht mehr als giftig erkannt und mitgegessen.

Problematisch ist Jakobs-Kreuzkraut auch für den Menschen: Zum einen wird das Kraut immer wieder als Beimengung/Verwechslung in Kräutertees gefunden und hat bereits zu mehreren Chargenrückrufen von Arznei-Tees geführt. Hier ist die gesetzlich vorgeschriebene Analytik von medizinischen Tees, verglichen mit reinen „Nahrungs-Tees“ von Vorteil, denn durch die strengen Prüfvorgaben wird eine Beimengung von Jakobs-Kreuzkraut relativ sicher erkannt. Unkontrolliert in die Nahrungskette gelangen Pyrrolizidinalkaloide z.B. über Milch und Milchprodukte, sowie über Honig. An einfachen Nachweisverfahren für diese Giftstoffe wird gearbeitet, doch das ist schwer, denn sie kommen in der Natur in chemischer Vielfalt vor und sind zumeist noch an andere Stoffe gebunden, für den Nachweis müssen sie daher zuerst isoliert werden.

Der Aufruf an alle Tierschützer und Menschenfreunde lautet deshalb: Wenn Sie Jakobs-Kreuzkraut im Garten haben oder an Wegen sehen, reißen (oder besser graben) Sie es mit Wurzel und den feinen, weißen Wurzelhärchen sorgfältig aus und geben Sie es in die Mülltonne und NICHT in den Gartenkompost! Auch aus Teilen der Wurzel kann eine neue Pflanze entstehen und die Blüte geht oft beim Trocknen in Samen über. Daher bitte sorgfältig entsorgen! Die Giftstoffe gehen bei Hautkontakt zur Pflanze beim Ausreißen nicht in den Körper über.

Auch die Städte und Gemeinden sollten hier viel aktiver Vorgehen als das derzeit geschieht: Jakobs-Kreuzkraut wächst vorzugsweise an lichten, sandigen Stellen und gegen die Ausbreitung hilft es schon, z.B. die Straßenränder vor der Blüte zu Mulchen, so wird die Samenbildung verhindert und durch dichten Bodenbelag kommt die Pflanze schwerer ans Licht.