Pferdehilfe Baden-Württemberg

Eine Initiative des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg e.V.

Über unser Projekt „Pferdehilfe“ sind aktuell 12 Pferde im Besitz und der Verantwortung des Landestierschutzverbandes, Sie werden auf ausgewählten Höfen in Baden-Württemberg fachkundig betreut. In den von uns ausgesuchten Pflegeställen legen wir neben der umfassenden Rundumversorgung unserer Tiere Wert auf Gruppenhaltung, eine artgerechte und dem Alter angepasste Ernährung, regelmäßige Hufpflege und adäquate tierärztliche Betreuung und Medikation.

Jeder, der mit Pferden zu tun hat weiß, wie pflege- und kostenintensiv Pferde sind, speziell dann, wenn sie nicht mehr ganz gesund oder alt sind. Daher ist es so wichtig, dass wir durch zuverlässige Pferdepaten unterstützt werden, das ermöglicht uns Planungssicherheit für unsere Schützlinge. Zusätzliche Unterstützung erhalten wir außerdem durch einmalige oder gelegentliche Spenden. Spendendetails finden Sie in der Rubrik "Helfen & Mitmachen"

Pferdepatenschaft

Jüngere Pferd aus Notfällen (z.B. nach Auflösung eines Zirkusses), die sich in unserer Obhut gesundheitlich erholen, versuchen wir mit einem Schutzvertrag an geeignete Personen zu vermitteln. Ältere und kranke Pferde bleiben zumeist auf Dauer in der Obhut des Landestierschutzverbandes. In Notfällen stehen wir außerdem beratend und vermittelnd zur Seite oder leisten Hilfe vor Ort.

Bei Pferden ergibt sich eine spezielle Situation, da sich ihr Stellenwert zwischen „Nutztier" und „Haustier" schwer festlegen lässt und stark vom Wertesystem des Besitzers abhängt …ein Pferd ohne Reiter ist immer noch ein Pferd, auch ohne den Nutzen als Reit- oder Fahrpferd! Als Tierschützer vertreten wir die Meinung, dass ein Besitzer auch dann zu seinem Pferde-Freund stehen muss, es pflegen und versorgen, wenn Alter oder Gesundheitszustand des Tieres eine Nutzung als Reitpferd nicht mehr zulassen. Auch das sollte nach unserer Auffassung bei der verantwortungsvollen Anschaffung eines Pferdes bedacht und einkalkuliert werden. Den „Austausch“ nicht mehr reitbarer Pferde gegen ein jüngeres, gesundes Tier können wir ethisch und moralisch nicht nachvollziehen. Hingegen sehen wir sehr wohl, dass sich die eigene Situation ungeplant verändern kann und dass eigene Probleme die Abgabe eines Pferdes manchmal notwendig machen können.

Gründe, warum Besitzer ihre Pferde manchmal abgeben müssen:

  • Gesundheitliche Probleme des Besitzers
  • Änderung der privaten Situation, z.B. durch Verlust des Arbeitsplatzes oder Schicksalsschläge in der Familie

Gründe, warum Besitzer ihre Pferde nicht abgeben sollten:

  • Chronische Erkrankungen des Pferdes
  • Alter des Pferdes
  • Verhaltensstörungen (hinterfragen, woher diese kommen...)

Unsere Aktivitäten für Pferde sind:

  • Bereitstellung einer Anzahl von Gnadenbrotplätzen mit lebenslanger Unterbringung auf von uns ausgewählten Höfen
  • Information über möglichst artgerechte Haltung
  • Beratung und Unterstützung zur Aufdeckung von Missständen
  • Hilfe zur Rettung von Pferden in Not und Koordination der tierärztlichen Versorgung

Um unsere momentanen Tierschutz-Pferde finanzieren zu können und zukünftig hoffentlich auch weitere Tiere aufzunehmen, sind wir auf Spendengelder angewiesen.

Bitte unterstützen Sie unsere Pferdehilfe Baden-Württemberg!


Unsere Tierschutz-Pferde stellen sich vor:

Ronja & Flicka

Name der Pferde: FLICKA  & RONJA
Rasse: Warmblut / Württemberger Warmblut
Geschlecht: Stute / Stute
Geboren: ca. 1990 / 1990
Beide sind beim Landestierschutzverband seit 2017

Warum sie zu Tierschutzpferden wurden:

Aus Gesundheitsgründen konnte der Besitzer der beiden die Versorgung und Finanzierung nicht mehr leisten. Aufgrund ihres hohen Alters war ein Verkauf der beiden Stuten nicht möglich. Die beiden hatten riesen Glück, denn kurz vorher waren in der Pferdehilfe des Landesverbandes zwei Plätze frei geworden.

Beschreibung/Charakter:

Flicka ist ein wahrer „Wonneproppen“, trotz ihres hohen Alters steht sie noch gut im Futter, hat sich in ihre neue Herde gut eingefügt und ist gleichermaßen entspannt im Umgang mit Menschen und Artgenossen.
Ronja hat ein reizendes und unkompliziertes Wesen, aber leider ein wesentlich schwächeres Nervenkostüm als Flicka. Obwohl auch sie sich in ihrer Herde sehr wohl fühlt und entspannen kann, bringen auch kleine Veränderungen sie schnell aus der Ruhe. Wer nervöse Pferde kennt weiß, wie schwer es oft ist, sie „rund“ und gut im Futter zu halten, auf den Rippen will einfach nichts drauf bleiben.

Spezielle Bedürfnisse und Erkrankungen:

Flicka ist auch im Alter noch sehr stabil, eine würdevolle Dame. Ronja benötigt Spezialfutter, das ihr Kraft gibt. Ihr Immunsystem ist nicht mehr das Beste und man beginnt, ihr auch an Haut – und Haarkleid das Alter anzusehen. Nur ihre Augen – die sind nicht alt, in ihnen leuchtet das Leben.

PONY-QUARTETT

Name der Ponys: MORITZ / FLICKA / BUBI / MOGLI
Rasse: Mini-Shetty
Geschlecht: Wallach / Stute / Wallach / Wallach
Geboren (alle ca.) 1985 / 1990 / 1995 / 1986
Beim Landestierschutzverband seit: 2016

Warum sie zu Tierschutzponys wurden:

Die 4 Ponys gehörten einer alten Dame, die privat über 25 Jahre lang alte und „ausgediente“ Ponys in ihrer Ponyherberge betreute. Aufgrund eigener Gesundheitsproblemen war ihr die Versorgung dann leider nicht mehr möglich. Der Landestierschutzverband BW hat die Ponyherberge schon in den vorherigen Jahren finanziell unterstützt und die Ponys 2016 dann übernommen.

Beschreibung/Charakter:

Obwohl die 4 deutlich kleiner sind als die anderen Pferde in den großflächigen Ausläufen, behaupten sie sich mit voller Souveränität. In ihrer neuen Großherde, in der sie seit 2016 leben, fühlen sich alle sichtlich wohl – kein Problem, in der Liegehalle auch mal neben einem schwarzen „Riesen“ im Stroh zu dösen.

Spezielle Bedürfnisse und Erkrankungen:

Moritz ist das älteste Pony. Da er ein gleichermaßen schlechter Esser wie Futterverwerter ist, bekommt er sein eingeweichtes Futter getrennt von den Anderen und es wird „gnädig übersehen“, wenn er danach noch einen Ausflug zum schon sprießenden Gras unternimmt. Er genießt seinen Sonderstatus sichtlich.
Bubi hatte als Jungpferd einen gebrochenen Kiefer. Dadurch hat er eine Fehlstellung des Gebisses und seine Zähne müssen regelmäßig durch den Zahnarzt gepflegt werden.
Flicka und Mogli haben die 25 Jahre beide schon deutlich überschritten, außer ein paar grauen Haaren mehr merkt man ihnen das aber nicht an.

Pia - unsere Methusalem-Stute!

Name des Pferdes: PIA
Rasse: Württemberger Warmblut
Geschlecht: Stute
Geboren: 1982
Beim Landestierschutzverband seit: 2004

Warum sie zum Tierschutzpferd wurde:

Finanzielle Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass Pia ihr ursprüngliches Zuhause verlassen musste. Obwohl sie früher auf verschiedenen Turnieren geritten wurde, interessierte sich - nachdem das nicht mehr möglich war - niemand mehr für die damals schon 21-jährige Stute.

Beschreibung/Charakter:

Pia ist ein grundsätzlich ruhiges, eher schüchternes Pferd, das mit Menschen und Artgenossen gleichermaßen gut klar kommt.

Spezielle Bedürfnisse und Erkrankungen:

Ihre Alterserscheinungen sind jetzt allerdings nicht mehr zu leugnen, die alten Knochen knacken hörbar, wenn sie sich in Bewegung setzt und auch das Kauen klappt nicht mehr so gut. Der altersbedingt normale Gewichtsverlust wird durch entsprechende Zufütterung ausgeglichen. Pia teilte sich ihr „Rentnerdomizil“ mit einer alten Fuchsstute, welche leider Ende 2018 gestorben ist. Wir waren besorgt, ob Pia diesen Verlust gut verkraften würde. Kurz darauf spielten die Fäden des Schicksals uns "Larika" zu...

Larika

Name des Pferdes: Larika
Rasse:  Warmblut
Geschlecht: Stute
Geboren: ca. 1996
Beim Landestierschutzverband seit: 2019

 

Larika - Weihnachtsbrief 2019

 

Nevada

Name des Pferdes: NEVADA
Rasse: Quarter-Mix
Geschlecht: Wallach
Geboren: 1995
Beim Landestierschutzverband seit: 2004

Warum er zum Tierschutzpferd wurde:

Seine ersten 9 Lebensjahre waren geprägt von vielen Besitzer- und Ortswechseln. Bis zum Alter von 3 Jahren wuchs er ohne viel Bewegung, Licht und Spielgefährten auf. Er wurde an eine Hobbyreiterin verkauft, die sich liebevoll um ihn kümmerte und gut unterbrachte. Leider erlitt er einen schweren Sturz, der zu einer Halswirbelverletzung führte. Infolgedessen stolperte er beim Reiten wiederholt und stürzte sogar einige Male. Die Besitzerin konnte ohne zusätzliche Reitbeteiligung die Kosten für ihn nicht tragen und gab ihn an einen privaten Hof weiter. Dort ging es ihm gut, doch aufgrund finanzieller Probleme musste Nevada nach einiger Zeit wieder umziehen. Er kam nun in eine Herde, die ihn so traktierte, dass er innerhalb kürzester Zeit massiv an Gewicht verlor und von Bisswunden übersäht war. So wurde eine uns bekannte Pferdefreundin auf ihn aufmerksam, der Landestierschutzverband übernahm ihn und so durfte er ein letztes Mal umziehen. Seit 2004 lebt er in einer ruhigen Herde, fühlt sich pudelwohl und längst sind seine psychischen und physischen Wunden verheilt!

Beschreibung/Charakter:

Nevada ist ein sehr anhängliches Pferd, der nicht nur mit seinen Artgenossen gut auskommt, sondern der auch die Gesellschaft lieber Menschen, die sich um ihn kümmern genießt – sogar dieser Wunsch ging an seinem jetzigen Platz für ihn in Erfüllung.

Spezielle Bedürfnisse und Erkrankungen:

Mit der Ataxie der Hinterbeine aufgrund der alten Verletzung der Halswirbel kommt Nevada gut zurecht, Schmerzen hat er dadurch keine. Natürlich wurde er seit 2004 nicht mehr geritten.

Wicky

Name des Pferdes: WICKY
Rasse: Shetland-Pony
Geschlecht: Stute
Geboren: 2000
Beim Landestierschutzverband seit: 2000

Warum sie zum Tierschutzpferd wurde:

Wicky wurde als Fohlen, zusammen mit dem Ponyfohlen Leila, aus schlechter Haltung geholt. Sie war damals stark unterernährt und geschwächt.

Beschreibung/Charakter:

Wicky hat ein freundliches, aufgeschlossenes Wesen und ist, wie die meisten Ponys, sehr schlau. Besonders dann, wenn es um das Erreichen von Essbarem geht. Für das Überwinden von Zäunen auf saftige Weiden gibt es verschiedene Techniken, die sie bestens kennt. Das ist natürlich gar nicht gut, da aufgrund ihrer Rehe-Erkrankung die Fütterung kontrolliert erfolgen muss.

Spezielle Bedürfnisse und Erkrankungen:

Wicky leidet unter chronischer Hufrehe, diese sind bei ihr eine Begleiterscheinung einer hormonellen Störung, dem sog. „Cushing Syndrom“, einer bei Pferden und Ponys leider immer häufiger verbreiteten Erkrankung. Glücklicher weise lässt sich die Krankheit durch Medikamente gut behandeln.

Leila

Name des Pferdes: LEILA
Rasse: Pony, Welsh-A-Mix
Geschlecht: Stute
Geboren: 2000
Beim Landestierschutzverband seit: 2000

Warum sie zum Tierschutzpferd wurde:

Leila wurde als Fohlen, zusammen mit dem Minshetty-Fohlen Wicky aus schlechter Haltung geholt. Sie war sehr krank und geschwächt, unterernährt und litt an Rachitis und Darmproblemen, so dass der Tierarzt ihr anfangs nur eine geringe Überlebenschance einräumte. Aber, die Dame wollte leben, sie hat es geschafft und hat nun ihren sicheren Platz bei der Pferdehilfe Baden-Württemberg.

Beschreibung/Charakter:

Leila ist ein sehr sensibles Pferd. Hektik und Stress verträgt sie gar nicht und mit Druck erreicht man bei ihr erst recht nichts. Wir sind froh, sie in einer Pflegestelle mit sanftem und ruhigem Umgang zu wissen, wo Leila entspannt und gut versorgt ist. Das besondere an Leila ist ihr rechtes, blaues Auge.

Spezielle Bedürfnisse und Erkrankungen:

Leila leidet unter starkem Sommerekzem, einer allergischen Reaktion auf Stechmücken, die sehr stark juckt und ein Pferd veranlasst, sich die juckende Haut blutig zu scheuern. Mit Salbe wurden solche Scheuerstellen an Leilas Kopf versorgt. Um den Juckreiz zu minimieren trägt Leila im Sommer eine „Ekzemerdecke“ und eine „Fliegenmaske“, durch deren enge Maschen die Mücken nicht mehr stechen können. Eine Ekzemerdecke hält nur ca. 2 Sommer, bevor sie abgetragen ist und ersetzt werden muss.

Gina

Name des Pferdes: GINA
Rasse: Tinker-Mix
Geschlecht: Stute
Geboren: 1995
Beim Landestierschutzverband seit: 2003

Warum sie zum Tierschutzpferd wurde:

Gina wurde aufgrund untragbarer Haltungsbedingungen vom Veterinäramt beschlagnahmt.

Beschreibung/Charakter:

Gina ist eine hochsensible Stute mit einem lieben Wesen, die aber Wert auf einen sehr korrekten Umgang legt. Als sie zu uns kam kannte sie fast nichts und war extrem skeptisch. Seit der Landestierschutzverband sie übernommen hat, wurde ein leichtes Training mit ihr begonnen und sie lernt ausgesprochen schnell. Wenn ihr etwas Spaß macht, ist sie schnell zu begeistern, zeigt aber auch deutlich ihren Willen, z. B. wenn sie meint, dass das Training für heute genug ist.

Spezielle Bedürfnisse und Erkrankungen:

Gina leidet unter Hufrehe und benötigt deshalb an den Vorderhufen einen orthopädischen Hufbeschlag. Doof findet sie die mit der Erkrankung verbundene strenge Diät: Auf die Weide darf Gina immer nur für begrenzte Zeit, denn größere Mengen frisches Gras würde bei ihr einen erneuten Reheschub auslösen, was nicht nur extrem schmerzhaft ist, sondern sogar tödlich enden kann. Wenn sie ihren Artgenossen auf der Weide vom grasfreien Hackschnitzelauslauf zusehen muss, findet sie das nicht gut und protestiert mit lautem Wiehern.

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