St. Martin steht für Mitleid, der Gänsebraten meist für Tierleid
von Redaktion LTschV-BW

St. Martin steht für Mitleid, der Gänsebraten meist für Tierleid

Über 80 % der in Deutschland verkauften Tiefkühlgänse stammen aus Osteuropa - die Haltungsbedingungen der Tiere sind dort überwiegend tierquälerisch und grausam.
Der Landestierschutzverband warnt vor irreführenden Kennzeichnungen und fordert endlich klare Haltungs- und Kennzeichnungsvorschriften.

Zum St. Martinstag (11.November) gehört für viele Familien nicht nur der traditionelle Laternenumzug, sondern auch die Martinsgans. Deswegen finden sich jetzt und auch um die Weihnachtszeit in vielen Lebensmittelmärkten und Discountern Gänsebraten im Billigangebot.
Was viele Käufern nicht wissen: nur ca. 13 % der bei uns verzehrten Gänse wurden bei uns aufgezogen - der weitaus größte Teil der Tiefkühlgänse kommen aus dem Ausland und die Lebensbedingungen der Tiere dort sind zumeist qualvoll.
Laut Statistischem Bundesamt stammten 97 % der Importgänse, die in Deutschland 2019 als Braten auf dem Tisch kamen, aus Polen und Ungarn. Und auch wenn die Importzahlen wegen der Coronakrise 2020 etwas eingebrochen sind, hat sich am Tierleid während der grausamen Turbomast nichts geändert:
Speziell gezüchtete „Hybridmastgänse“ vegetieren in riesigen Produktionshallen aneinandergedrängt ohne Auslauf und ohne Einstreu vor sich hin. Durch die Verabreichung von konzentriertem und oftmals mit Medikamenten versetztem Mastfutter, erreichen die Tiere binnen 8 bis 10 Wochen bereits ihre „Schlachtreife“. Auf arttypisches Schwimmen und Gründeln, Baden und Gefiederpflege im Wasser müssen die hochintelligenten Wasservögel ihr kurzes Leben lang verzichten. Künstliche Lichtquellen suggerieren längere Tageszeiten damit die Tiere noch mehr fressen. Die Folgen: Stress, Federpicken, Kannibalismus und Knochenbrüche wegen der viel zu schnellen Gewichtszunahme. Viele Tiere leiden unter Gelenkentzündungen und Atemnot. „Ländliche Idylle“ findet nur auf dem Etikett statt.

Nur aufgrund dieser industriellen Intensivtierhaltung sind die Dumping-Preise für Import-Gänse zu halten. Sie liegen teilweise bei weniger als einem Drittel des Preises, der für eine deutsche Bio- oder Freilandgans zu zahlen ist. In Deutschland werden Gänse zumeist vergleichsweise tiergerecht in Auslaufhaltung mit Zugang ins Freie gehalten und erst im Alter zwischen 16 und 23 Wochen geschlachtet. Auch das grausame Zwangsstopfen von Gänsen zur Herstellung von Stopfleberprodukten wie „Foie Gras“, ist in Deutschland inzwischen gesetzlich verboten.
Nicht verboten ist allerdings der Import und Verkauf von Produkten aus dieser Stopfmast, wie sie in Frankreich oder Ungarn noch weit verbreitet ist. Das Fleisch der Stopfgänse ist genau genommen ein Abfallprodukt und kann von der deutschen Lebensmittelindustrie zu Niedrigstpreisen importiert werden, da das eigentliche Geschäft mit den krankhaft vergrößerten Fettlebern gemacht wird. So unterstützt der deutsche Käufer einer Importgans oft unwissentlich auch noch die tierquälerische Gänsestopfleberproduktion.

„Was zahllose Gänse in ihrem kurzen Leben erleiden müssen, sieht man der Tiefkühlware nicht mehr an. Der Landestierschutzverband fordert deshalb schon lange EU-einheitliche, verbindliche Gesetze für die Zucht und Haltung von Gänsen sowie klare Kennzeichnungsvorgaben.“ erklärt Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes. Nach Ansicht des Tierschützers, sind zudem alle Produkte aus tierquälerischer Gänsestopfleber strikt abzulehnen.
„Wer auf der sicheren Seite sein will, verzichtet ganz auf den tierischen Braten. Es gibt inzwischen zahlreiche fleischlose Gerichte, die problemlos mit einem Festbraten mithalten können.“ lautet die Empfehlung des Tierschützers.

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